Man kann nicht nicht kommunizieren...

Wer kennt diesen Satz nicht! Doch was steckt dahinter? Paul Watzlawick hat mit den "Axiomen der Kommunikation" grundlegende Regeln für unsere Kommunikation zusammengefasst. 

 

Das ist äußerst hilfreich! Denn wer diese grundlegenden Regel kennt, kann diese auch für sich nutzen. Und das erleichtert nicht nur die Gespräche mit anderen. Es hilft uns auch zu verstehen woran es vielleicht liegt, dass das Gespräch nicht so rund läuft wie gewünscht. 

Lass uns reden!

die 5 Regeln der kommunikation

Watzlawick hat insgesamt 5 Regeln (Axiome) aufgeschrieben, die unsere Kommunikation grundlegend beschrieben. Regeln, an denen sich unsere Kommunikation ausrichtet und die elementar für sie sind. Grund genug sich diese 5 Regeln mal genauer anzuschauen.

Auch heute spielen die 5 Axiome eine wichtige Rolle in den Kommunikationswissenschaften und werden, ebenso in der soziologischen, sozialwissenschaftlichen, psychiatrischen und psychologischen Arbeit verwendet. Aber auch in der systematischen Therapie sind die 5-Axiome-von-Watzlawick ein fester Bestandteil geworden. Eines davon lautet beispielsweise, 

es ist nicht möglich nicht zu kommunizieren!

Es scheint also, als wenn mehr als eine Floskel dahinter steckt. „Es ist nicht möglich nicht zu kommunizieren!“, klingt platt und abgedroschen. Doch die Bedeutung hat es in sich. Tatsächlich beschreiben die Axiome die Regeln für eine funktionierende und ungestörte Kommunikation. Diese Regel zu brechen bedeutet Kommunikation zu stören!

 

Das heißt, dass ein Handeln gegen diese Regeln eine aktive Störung der Kommunikation bedeutet! Auch wenn ich diese Schuld gerne auf meinen Gesprächspartner schieben würden - breche ich die Regeln, störe ich die Kommunikation.

Nr. 1 | Es ist nicht möglich nicht zu Kommunizieren

kommunikation = Verhalten

Das ist wohl die bekannteste Regel! Sie besagt, dass bei einer Kommunikation keine Dualität beim Sprechen notwendig ist. Ich antworte also auf eine Frage, obwohl ich kein Wort sage. Das klingt erstmal paradox, doch nimmt das gesprochene Wort gerade mal ca. 5%  unsere Kommunikation ein. Der Rest ist u.a. nonverbal oder auch paarverbal. Rund 95% unserer Kommunikation sind also von dem was ist sage unabhängig. Das wie ist wesentlich entscheidender. Hier wird schnell klar, dass es tatsächlich nicht möglich ist nicht zu kommunizieren. Denn, auch Schweigen ist eine Antwort.  

 

Man kann es auch anderes formulieren, Kommunikation ist Verhalten! Und du kannst dich nunmal nicht nicht verhalten, das sollte schnell klar sein. 

Nr. 2 | Jede Kommunikation besitzt zwei Ebene

Beziehung und Inhalt

"Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei letzterer den ersten bestimmt."

 

Dabei hat der Inhaltsaspekt die Aufgabe Informationen zu vermitteln. Nicht mehr und nicht weniger. 0 und 1. Nackte Informationen wenn man so sagen möchte. Und der Beziehungsaspekt gibt Aufschluss darüber, wie die Beziehung vom Empfänger aufgefasst wird. Was interessant ist, denn hier geht es in erster Linie um den Empfänger nicht um den Sender. Wie versteht der Empfänger die Nachricht? 

 

Beide sind dabei untrennbar! Denn es gibt keine Kommunikationssituation die einen rein informative Kommunikation darstellt. Jede Äußerung enthält eine Beziehungsaussage. z.B.: "Sie haben aber eine schöne Perlenkette. Ist die echt?" Durch Gestik, Mimik und Tonfall des Sprechers, werden im Empfänger verschiedene Reaktionen ausgelöst.

 

Man unterscheidet beispielsweise,

  • Bestätigung (die Aussage wird als Kompliment verstanden)
  • Verwerfung (die Aussage wird fallen gelassen, da sie als negativ empfunden wurde)
  • Entwertung (der Sprecher und seine Aussage werden entwertet)

Wenn eine negative Beziehung auf der Inhaltsebene ausgetragen wird kann dies eine gestörte Kommunikation zur Folge haben,

ein praktisches Beispiel: Max wertet in einer Diskussion die Argumente von Silke ab, weil er sie nicht leiden kann.

Nr. 3 | Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

Ursache - Wirkung | Aktion - Reaktion

"Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt."

Puh, das hört sich auf den ersten Blick ziemlich kompliziert an. Erschließt sich aber ganz einfach wenn man sich die ersten zwei Regeln nochmal ansieht. Denn es ist eben nicht möglich nicht zu kommunizieren. Das bedeutet auf einen Impuls, beispielsweise eine Frage: "Kannst du mir bitte den Kaffee reichen?", erfolgt immer eine Reaktion. Vorausgesetzt es liegen keine Gründe vor, dass ich die Frage nicht gehört habe (organisch, Lärm, etc) 

 

Auch hier lassen sich Regeln festhalten:

  • Jeder Teilnehmer einer Interaktion gibt der Beziehung eine Struktur
  • Auf jeden Reiz folgt eine Reaktion (Verhaltenskette)
  • Jeder Reiz ist zugleich auch Kommunikation, da eine Kommunikation kreisförmig verläuft. Es gibt keinen Anfangspunkt.

Hier ein klassisches Beispiel:

Nr. 4 | Kommunikation ist analog und digital

wir kommunizieren sowohl analog und digital

In der Kommunikation gibt es zwei Möglichkeiten Dinge darzustellen. Zum einen kann man sie durch die Analogie (z.B. eine Zeichnung) ausdrücken oder dem Objekt einen Namen geben. Nicht nur das gesprochene Wort (in der Regel digitale Kommunikation), sondern auch die nonverbalen Äußerungen (z. B. Lächeln, Wegblicken,...) teilen etwas mit.

Analog

Beziehungsaspekt einer Nachricht, wesentlich älter. 

Es gibt "Tränen des Schmerzes und der Freude" und ein Lächeln kann Sympathie oder Verachtung ausdrücken. Analoge Kommunikation ist immer mehrdeutig und kann unterschiedlich entschlüsselt werden. Durch mögliche Fehlinterpretationen können Konflikte zwischen den Kommunikationspartnern entstehen.

digital

Inhaltsaspekt einer Nachricht, es wird komplexes Wissen übermittelt. Logische Verknüpfungen und Negationen lassen sich ausdrücken


Nr. 5 | Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

gleichgewicht und ungleichgewicht

Beziehungen zwischen Partnern basieren entweder auf Gleichheit oder auf Unterschiedlichkeit. In komplementären Beziehungen ergänzen sich unterschiedliche Verhaltensweisen und bestimmen den Interaktionsprozess. Die Beziehungsgrundlage besteht hierbei im Unterschied der Partner. Oftmals drückt sich diese Unterschiedlichkeit in einer Unterordnung oder internen Ordnung aus, d.h. der eine hat die Oberhand über den anderen. Eine symmetrische Beziehungsform zeichnet sich dadurch aus, dass sich beide Partner bemühen, Ungleichheiten untereinander zu minimieren oder auszugleichen (Streben nach Gleichheit).

Hier ist allerdings Vorsicht geboten! Denn eine komplementäre Beziehung muss nicht asymmetrisch sein. Was ich damit sagen möchte, die Begriffe komplementär und symmetrisch beschreiben nur die Kommunikationsstruktur. Sie bewertet diese aber nicht! Das solltest du auch nicht tun. Denn eine komplementäre Kommunikation finden wir öfter vor als wir denken, Bspw. Lehrer - Schüler, Polizist - Autofahrer, Eltern - Kind, usw., und sie ist in vielen Situationen auch sinnvoll und richtig.

 

Ich fasse nochmal zusammen: Komplementäre Kommunikation ist nicht gleichzusetzen mit einer gestörten Kommunikation! Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. 

  • Sind die Kommunikationsabläufe symmetrisch, so handelt es sich um 2 gleichstarke Partner, die nach Gleichheit und Verminderung von Unterschieden streben. Man könnte es auch ein "spiegelhaftes Verhalten" der Partner nennen. 
  • Sind die Abläufe komplementär gibt es immer einen "superioren" und einen  "inferioren" Partner. Die Partner ergänzen sich in ihrem Verhalten.

Wie wir sehen sind es 5 einfach Pfeiler an denen sich unsere Kommunikation gut beschrieben lässt. Doch so einfach sie auch sind, sie bleiben komplex und anspruchsvoll. Denn jedes der einzelnen Axiome hat es in sich. Doch wenn wir die Besonderheiten einmal verstanden haben geht uns oft ein echtes "Ah!-Erlebnis" durch den Kopf. 

 

Wenn du mehr zu dem Thema wissen möchtest oder auch deine eigenen Kommunikation auf ein nächstes Level bringen möchtet, schrieb mir gerne eine Nachricht

Wenn du mehr zu Watzlawick erfahren möchtest schau gerne unter, https://www.paulwatzlawick.de/axiome.html